Als musikalischer Botschafter unterwegs
Christophorus-Jugendkammerchor Versmold in Brünn und Budapest
Musik verbindet – das durfte der Christophorus Jugendkammerchor auf seiner Adventstournee aufs Neue erfahren. Eine ganze Woche lang war das Ensemble unterwegs. Die Ziele waren Brünn in Tschechien und die ungarische Hauptstadt Budapest. Dort nahm der Chor am “5th International Advent & Christmas Songs Festival“ teil. Begonnen hatte die Tournee am 1. Advent mit einem Konzert in Werther.
Die 39 Sängerinnen und Sängern wurden von Karl-Heinz Brandt als Busfahrer sicher von Versmold nach Brünn gefahren, von dort nach Budapest und dann wieder nach Hause. Mit dabei waren natürlich das Chorleiterpaar Hans-Ulrich und Sibylle Henning mit Töchterchen, Stimmbildner Christian Halseband (u.a. zur Unterstützung des Tenors) und die Pianistin Anne Temmen-Bracht.
Lange bevor sich die ersten Schüler am Morgen des 29. Novembers auf den Weg zur Schule machten, war der Christophorus Jugendkammerchor schon nach Tschechien aufgebrochen. Knapp elf Stunden dauerte die Busfahrt. An der Grenze gab es Probleme. Einer der Sänger hatte keinen Pass dabei. Aber mit Diplomatie und Freundlichkeit kommt man auch bei tschechischen Grenzbeamten weiter. Immerhin wächst Europa zusammen!
Und so erreichte der Chor am frühen Abend die Schule des Partnerchores „Mladi Madrigaliste Brno“ (Junge Madrigalisten Brünn). Im Sommer 2004 hatte der Brünner Chor zuletzt Deutschland besucht. Die Mitglieder der Chöre kannten sich teilweise schon und freuten sich darauf einander wieder zu sehen. So wurden die Sängerinnen und Sänger ungeduldig von ihren Gastgebern erwartet und in Familien beherbergt. Da war in den meisten Fällen Anpassungsfähigkeit gefragt. Denn die Menschen in Tschechiens zweitgrößter Stadt verdienen weit weniger als in Deutschland. Kleine Wohnungen in Plattenbauten sind die Regel. Daher mussten manche der Chorsänger mit ihren Gastgebern und deren Geschwistern ein Zimmer teilen. Wirklich gestört hat das allerdings niemanden. Trotz gewisser Sprachbarrieren waren alle sehr darum bemüht, den Aufenthalt ihrer Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Gastfreundschaft wird in Tschechien groß geschrieben!
Der erste Tag in Brünn führte den Chor zum Empfang der Stadt ins Rathaus, wo die Bürgermeisterin mit ihren Mitarbeiterinnen den Chor herzlich begrüßte und zu einem Getränk mit einer Brünner Süßigkeit einlud. Nach einer musikalischen Visitenkarte folgte ein geführter Stadtrundgang. Von der Burg Spilberk hatte man eine beeindruckende Aussicht über die verschneite Stadt mit ihren Kirchen und den teilweise schon im 12. Jahrhundert erbauten Gebäuden. Nach dem Mittagessen im Speisesaal des Gymnasiums wurde eifrig geprobt und am Abend gestalteten beide Chöre ein Adventskonzert in der evangelischen Hussitenkirche.
Spätestens beim gemeinsamen Musizieren wurden Landesgrenzen und Sprachbarrieren unwichtig, und Tschechen und Deutsche hatten gleichermaßen Freude an der Musik und am Beisammensein.
Am Donnerstag stand ein Ausflug zum Schloss Austerlitz auf dem Programm. Hier breitete sich eine Schneedecke über die Schlachtfelder aus, wo Napoleon vor genau 200 Jahren die Drei-Kaiser-Schlacht gewann. „Es ist viel spannender, sich das hier anzuschauen als im Geschichtsunterricht davon zu hören“, waren die Schüler sich einig.
Freitagmorgen hieß es leider schon Abschied nehmen von den Freunden. Die Zeit drängte, und die Busfahrt nach Budapest dauert gut fünf Stunden. Dort angekommen, gab es kaum Zeit zum Ausruhen. Es ging gleich weiter zum Empfang im Nationalmuseum.
Am Budapester Adventsfestival nahmen auch drei ungarische Chöre teil. Zum Kennen Lernen gab es im Museum einen Glühwein für die Erwachsenen und Tee für die Jugendlichen. Danach stellten sich die Chöre einander musikalisch vor. Bei diesem Konzert und der anschließenden gemeinsamen Probe wurde den jungen Sängerinnen und Sängern schnell deutlich, dass sie hier auf sehr professionelle Chöre trafen und ein hohes Niveau erwartet wurde.
Am nächsten Tag gaben alle vier Chöre ein gemeinsames Galakonzert in der größten Kirche Budapests. Die äußerlich klassizistische St. Istvan-Basilika wurde von 1848 bis 1905 erbaut und beeindruckt im Inneren mit ihrem in Marmor und Gold gehaltenen Neorenaissance-Stil. Sie ist dem ersten König Ungarns gewidmet. Mit dem mumifizierten Arm dieses Königs beherbergt sie Ungarns wertvollste Reliquie. Staunend wanderten die Chorsänger durch das mächtige Gebäude: „In so einer riesigen Kirche durften wir noch nie singen.“ Vor dem riesigen Hochaltar brachten sie unter der gewaltigen 96m hohen Kuppel ihr Repertoire zu Gehör.
Trotz des nasskalten Wetters hatten über 1000 Ungarn und Touristen den Weg in das Galakonzert gefunden. Sie wurden mit großartiger Musik belohnt. Vor allem bei den letzten drei Werken dürfte dem Publikum ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen sein. Die vier Chöre sangen gemeinsam zwei Werke des berühmten ungarischen Komponisten Zoltan Kodaly und das auch in Ungarn beliebte „Stille Nacht, heilige Nacht“. Die Zuhörer erlebten 200 Menschen in vollkommener Harmonie. So etwas schafft wohl nur Musik!
Am nächsten Abend gestaltete der Christophorus-Jugendkammerchor zusammen mit einem der ungarischen Chöre eine Adventsmusik in der St. Anna Kirche auf der Buda-Seite der Stadt.
Bei den vielen Auftritten blieb den Versmoldern leider viel zu wenig Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Am Samstagmorgen war Zeit für die Innenstadt mit ihrer großartigen Architektur. Ein Anziehungspunkt war hier die Jugendstil-Markthalle und am Sonntagmorgen gab es mit dem Bus eine Stadtrundfahrt zur Fischerbastei, dem Heldenplatz und dem Stadtwäldchen mit Zoo, Eisbahn, Thermalbadehäusern u.a. Der Humor der Reiseleiterin mit einem unaussprechlichen ungarischen Namen machte die Fahrt zu einem Erlebnis. Zum Schluss genoss der Chor die Aussicht vom Gellertberg über die Stadt, das berühmte Parlamentsgebäude und die strahlend blaue Donau. Denn gerade zur Stadtrundfahrt schien das einzige Mal richtig die Sonne.
„Können wir nicht noch bleiben?“, fragten viele der Chorsänger am Montagmorgen vor der fünfzehnstündigen Heimreise. So viele Museen konnten nicht besucht werden, die berühmten Bäder blieben undurchschwommen und auch die Kaffeehäuser warten noch auf einen Besuch. Aber leider mussten die Chorsänger am Dienstag ja wieder zur Schule.
Grund genug, dass sie unbedingt noch einmal wiederkommen wollen. Vielleicht wieder zu einem Budapester Adventsfestival? Chorleiter Hans-Ulrich Henning war von dem Konzept begeistert: „Ich fand es sehr schön, dass wir mit den anderen Chören so viel Kontakt hatten!“ Neue Freundschaften wurden geschlossen und musikalische Kontakte nach Ungarn geknüpft.
Weitere Weihnachtskonzerte singt der Jugendkammerchor am Sonntag, 18. Dezember, in der Christ-König-Kirche Gütersloh, am Donnerstag, 22. Dezember, in der Herz-Jesu-Kirche in Gütersloh-Avenwedde und am Sonntag, 22. Januar 2006 in der Pfarrkirche St. Otger zu Stadtlohn.





