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03.11.2008 - Versmold

Herbstgedanken

Name: Klaus Blenk
Aufgabe: Schulleiter der CJD Christophorusschule - Realschule
Alter: 48 Jahre
Wohnt in: Sassenberg
 
Herr Blenk, hat Versmold für eine Stadt mit gut 20 000 Einwohnern eine gute Schul-Infrastruktur?

KLAUS BLENK: Wir haben mehrere Grundschulen, alle weiterführenden Schulformen, hinzu kommen die Matthias-Claudius-Schule und die CJD Hauptschule. Das ist ein breites Angebot, zumal die Zusammenarbeit untereinander und mit der Stadt sehr gut funktioniert. Das können Städte wie Bielefeld, Münster und Osnabrück nicht bieten. Und die Schulen sind nicht zu groß. Wir kennen unsere Schüler noch.

 

Bringt das Abitur nach zwölf Jahren die Jugendlichen voran? Wirkt sich diese eilig umgesetzte bildungspolitische Reform auch auf die Realschulen aus?

BLENK: Eine verkürzte Schulzeit birgt doch nicht für mehr Qualität. Fest steht nur, dass die Stundentafeln immer voller werden – auch bei uns. Aber ich halte es nicht für realistisch, dass Schüler, die von uns auf das Gymnasium wechseln, in zwei Jahren das Abi schaffen. Viele werden die zehnte Klasse wohl noch einmal machen müssen.

 
Welche Vorteile sehen Sie in der stark durch das CJD geprägten Schulstruktur in Versmold?

BLENK: An staatlichen Schulen wird Selbstständigkeit forciert, die wir schon haben. Wir wählen unsere Lehrer selbst aus, sind unabhängig von der Finanzierung aus öffentlichen Töpfen. Mit drei CJD-Schulen, dem Internat und weiteren Angeboten haben wir ein durchlässiges System. Zum Beispiel können wir „Schulverweigerer“ besser integrieren. Zwei von ihnen waren für ein halbes Jahr in einer kleinen Motivationsklasse der CJD Hauptschule und sind jetzt wieder bei uns. Besonders begabte Realschüler lernen den Unterricht am Gymnasium kennen. Solche Wege sind klasse.

 

Sie können vor Ort zwar einiges gestalten, müssen sich aber den Rahmenbedingungen „von oben“ beugen. Wie sehen Sie die Überlegungen, ein eingliedriges Schulsystem einzuführen?

BLENK: Es klingt schon reizvoll, Schüler nach dem finnischen Modell ab dem Alter von fünf Jahren mit einem festen Lehrerteam zu betreuen – ganz nach dem CJD-Motto „Keiner darf verloren gehen“. Eine individuelle Förderung also, vom Grundschulalter bis zum möglichen Abitur. Das wäre etwas anderes als etwa die Gesamtschule. Dafür würden wir aber ein komplett anderes Schulsystem benötigen. Hier ist so etwas derzeit nicht zu realisieren.

 

Bei der Ausbildungsplatzsuche müssen Realschüler mit Gymnasiasten konkurrieren, die Förderung von Hauptschülern steht öffentlich im Fokus. Gehen die Realschulen dabei unter?

BLENK: Es muss nicht schlecht sein, dass wir nicht so in der Diskussion sind. Unsere Schule ist so etwas wie die konstante Variante. Hier wird kontinuierlich gearbeitet – ein guter Realschulabschluss offeriert alle Möglichkeiten.

 

Hat sich der Schulalltag für Kinder und Jugendliche verändert? Ist die Schule mehr als nur ein Ort der Bildung?

BLENK: Schule bestimmt das Leben der Schüler viel mehr – nicht zuletzt durch den zunehmenden Nachmittagsunterricht. „Friss-oder-Stirb-Pädagogik“ ist da auch für uns Lehrer nicht mehr gefragt. Wir müssen Erzieher, großer Bruder, Psychologe und Sozialpädagoge sein. Darum kann es ein Gegeneinander von Schülern und Lehrern wie früher auch nicht mehr geben.

 

In welchem Fach haben Sie als Schüler geglänzt – und wo gab es schlechte Noten?

BLENK: Ich bin Deutsch- und Geschichtslehrer und das waren früher auch meine Lieblingsfächer. Trotzdem gab es in Geschichte auch mal schlechte Noten. Unser Lehrer – er hatte sehr gestrige Ansichten – wollte uns nur Zahlen auswendig lernen lassen. Dagegen haben wir rebelliert.

 

Fällt es Ihnen manchmal schwer, Schülern eine schlechte Note zu geben?
BLENK: Natürlich. Darum ist es so wichtig, ihnen zu vermitteln, wie die Bewertung zustande gekommen ist. Gelingt dass nicht, ist der Lehrer der Böse. Aber oft schätzen sich die Schüler richtig ein.
 
(tas/maut)
Haller Kreisblatt vom 25./26.Oktober




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Klaus Blenk
cjd-realschule-versmold@t-online.de
fon 05423 9440-11

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