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09.07.2010 - Versmold

Zivis dringend gesucht

Zivis dringend gesucht

Warum die Verkürzung des Wehrdienstes für CJD, Diakoniestation, Jugendzentrum und KvB problematisch ist

Von Janina Kröger
Versmold (WB). Vom 1. Dezember an dauert der Zivildienst nur noch sechs Monate. Das hat der Bundestag im Juni beschlossen. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf Versmold? Das WESTFALEN-BLATT hat sich umgehört:


Das Christophorus-Jugendwerk ist eine von insgesamt vier Einrichtungen in Versmold, die Zivildienststellen anbieten. Daneben setzen die Diakoniestation, das Jugendzentrum Westside und das Katharina-von-Bora-Haus (KvB) auf die Hilfe von »Zivis«. Dass die ihnen künftig nur noch sechs Monate erhalten bleiben, trifft die einen mehr, die anderen weniger.
Das CJD gehört zu letzteren. »Bei uns sind Zivis nur eine Ergänzung, damit sich die festen Mitarbeiter auf die pädagogischen Bereiche konzentrieren können«, erklärt Klaus-Peter Brell. Die Zivis übernehmen derweil Hausmeister-Tätigkeiten oder Fahrdienste und garantieren dadurch die Grundversorgung des Netzwerkes. »Dafür müssen sie nicht erst lange eingearbeitet werden. Sie können relativ schnell eigenverantwortlich arbeiten.« Trotzdem ist er von der Neuerung nicht begeistert. »Andere sind auf die Hilfe wirklich angewiesen - und müssen die Zivis zu Beginn auch erst noch anlernen.« Er befürchtet, dass mit der Verkürzung ein ganzes System langsam seinen Abschied nimmt. Als problematisch empfindet Brell auch, dass immer weniger junge Männer einberufen werden und die Jahrgänge gleichzeitig immer schwächer werden.
Ähnlich stellt sich die Situation im Jugendzentrum Westside dar. »Die Zivis übernehmen bei uns Hausmeisterdienste«, berichtet Leiter Olaf Hülck. Mit dramatischen Einschränkungen rechnet er nicht. Probleme, Zivis zu finden, habe es bisher schließlich noch nie gegeben. »Im Pflegebereich sieht das allerdings anders aus. Mit Einarbeitungsphase und Lehrgängen bleibt bei sechs Monaten nicht viel Zeit übrig.«
In der Diakoniestation Versmold ist man über die Neuerung gar nicht glücklich. Bisher sei es schon schwierig genug gewesen, ausreichend Hilfe durch Zivildienstleistende zu bekommen. Vier junge Männer wären optimal, um das bestehende Personal zu ergänzen, in der Regel bewerben sich aber nur zwei pro Jahr. Die Verkürzung kommt nun erschwerend hinzu. »Wir können die Zivis künftig nicht mehr für alle Arbeiten einsetzen«, sagt Schwester Gabi Weber. In der Kürze der Zeit ließe sich eine intensive Ausbildung nicht mehr gewährleisten. »Ich hoffe, wir können die Arbeiten mit diakonischen Helfern besetzen. Vielleicht wären die Zivis ja auch bereit, zu verlängern.«
Rüdiger Metz glaubt nicht daran. Der Heimleiter des Katharina-von-Bora-Hauses vermutet, dass die wenigsten über den Pflichtdienst hinaus verlängern. Doch auch wenn die nun verbleibende Zeit knapp bemessen ist, lohne es sich, auch weiterhin die Helfer zu beschäftigen. »Die meisten gehen in den technischen Bereich. In die Pflege wollen nur wenige.« Gerade die benötigt eine intensive Einarbeitung. Als positiv empfindet Metz die Verkürzung der Lehrgänge: Statt drei Wochen werden die Zivis künftig nur eine Woche geschult. »Für alle gilt aber, dass sie nicht auf das Zivildienst-System setzen sollten. Da ist immer noch Bewegung drin. Und falls der Wehrdienst aufgehoben werden sollte, ist auch mit dem Zivildienst Schluss.« Sein Haus aber befindet sich in einer verhältnismäßig glücklichen Lage. »Wir haben nie auf die Schultern der Zivis gesetzt.« Institutionen, die auf Fahrdienste durch Zivis angewiesen seien, wären da schon deutlich schlechter dran.
Die Betroffenen selbst sind geteilter Meinung. Henning Temme arbeitet ab Oktober in der Tagespflege des KvB. »Die Verkürzung bringt wenig. Die meisten Studiengänge fangen zum Wintersemester an, ein Jahr hat mal also ohnehin verloren«, sagt er. »Um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken, würde ich verlängern, wenn es mir hier gefällt«, sagt daher Abiturient Daniel Becker, seit Juli Zivi beim CJD. Sein Kollege Kevin Strotmeier sieht noch ein weiteres Problem: »Viele Institutionen werden doch gar keine Zivis mehr nehmen: Bis sie einen eingearbeitet haben, dauert es zu lange.«

 

Artikel vom 09.07.2010 aus dem Versmolder Anzeiger

 


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