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28.06.2011 - Versmold
Auto-Projekt soll Anschubhilfe leisten
Elf Schüler der Motivationsklasse an der CJD-Hauptschule bringen alten Corsa auf Vordermann
Von Burkhard Hoeltzenbein
Versmold (WB). Auf den ersten Blick wirkt der verbeulte Opel Corsa im zur Kfz-Werkstatt umgerüsteten Unterstand an der CJD-Hauptschule reif für die Schrottpresse. Elf Schüler der Motivationsklasse wollen das Vehikel in den nächsten Monaten wieder flott machen.
Die Siebt- und Achtklässler erleben in den beiden angesetzten Handwerksstunden pro Woche Unterricht der ganz besonderen Art. Statt Deutsch, Mathe oder Englisch lernen sie, wie sie neue Felgen aufziehen, den Motor überarbeiten, den Ölstand prüfen oder die Sitze beziehen. Eine lange Wunschliste haben die Internatsschüler, die aus Hamburg, Bremen, Berlin, Detmold oder Wuppertal stammen, zu »ihrem« fahrbaren Untersatz erstellt. Mit neuem Kühlergrill, Scheibenfolien, Deko und einer ansprechenden Lackierung soll das Auto aufgemotzt werden.
Neben Lehrer Heinz Meyer betreut der Heizungsbauer Jörg Bentler das Projekt der Metall-AG. Der Versmolder Handwerker, selbst ein leidenschaftlicher Autoschrauber, der mit einem Mercedes aus den frühen 1960er Jahren vorgefahren kommt, steht mit Rat und Tat sowie einem riesigen Werkzeugkasten und Ersatzmaterial zur Seite. »Die Schüler sind mit sehr großem Interesse dabei«, sagt Bentler. Ein Lob, das für seine Zielgruppe alles andere als selbstverständlich ist. Die meisten der CJD-Hauptschüler stammen aus schwierigen Familienverhältnissen, fast alle weisen bereits mit 15 oder 16 Jahren tiefe Lücken in ihrer Schulbiografie auf.
Wie Tim (16), der bis zum Sommer des vergangenen Jahres zwei Jahre lang gar nicht mehr zur Schule ging. »Ich hatte einfach keine Lust«, gibt er etwas verlegen zu. Das hat sich nach seinem Wechsel zum Chrstophorus-Jugenddorf in Versmold, wohin er vom Jugendamt seiner Heimatstadt vermittelt wurde, deutlich geändert. Mit grauer Schul-Theorie lässt sich der Jugendliche kaum motivieren. Doch sobald Tim irgendwo anpacken kann, beweist er sein praktisches Talent. »Die Schüler finden hier in einen geregelten Schulalltag zurück«, erklärt Schulleiterin Susanne Beine den pädagogischen Ansatz. Große Resonanz findet dabei die Auto-Reparatur-Aktion im Rahmen der Metall-AG. Tim, Sandro, der in der Gruppe als großartiger Tüftler anerkannt ist, und Jonathan, der seit einem Jahr unter der Woche im Internat lebt, kennen bereits fast jedes Detail unter der Motorhaube des Corsa, der als ausrangierter Dienstwagen des CJD nun einen neuen Zweck als Unterrichtsmaterial erfüllt. »Kühler, Luftfilter, Vergaser, Ölfilter«, zählt Tim auf, welche Teile er in den kommenden Wochen auf Herz und Nieren prüfen will. Mit den technischen Details haben dagegen Loreen und Maren weniger im Sinn. »Wir beziehen die Sitze und lackieren das Blech«, verraten sie ihre Pläne.
Heinz Meyer verspricht sich von der Idee, geübte Handwerker wie Bentler an die Schule zu holen, den nur schwierig vermittelbaren Jugendlichen ein Türchen in die Arbeitswelt zu öffnen. »Ich will Kfz-Mechaniker werden«, sagt Tim bestimmt. Dass das für den Achtklässler ein weiter Weg ist, zeigt Meyer auf: »Erstes Ziel ist es, unsere Schüler in die Klassen 10a oder 10b zu bringen, damit sie einen Abschluss machen.« Immerhin schafften vier von fünf Schüler der Motivationsklasse in diesem Jahr den Sprung, der sie einem Ausbildungsplatz näher bringt.
Artikel vom 28.06.2011 aus dem Versmolder Anzeiger
Ein Blick in die Zukunft als Antrieb
Haller Kreisblatt vom 28. Juni
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